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Schläge im Namen des Herrn
Das verdrängte Schicksal der Heimkinder
in der Bundesrepublik

Buchcover

ISBN 342105892X
ca.240 Seiten mit Abbildungen

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Jetzt auch als Taschenbuch!

Erste Reaktionen auf das Buch im Februar 2006
- evangelische Trägerverbände
- ev.Akademie Bad Boll
- Bischof Huber
- Diakonie Bayern
- Dierk Schäfer, ev. Akademie Bad Boll
- offener Brief an Gohde
- Wittekindshof
- Bethanien-Schwestern
- Deutschlandradio Kultur
- Sendung vom 15.2.2006

-Ordenskorrespondenz

Aktuelle Artikel von Peter Wensierski im SPIEGEL hier...

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Peter Wensierski hier...

Das Vincenzheim in Dortmund

Auf dieser Seite finden Sie Informationen über das Vincenzheim in Dortmund, die in Zusammenhang mit dem Buch “Schläge im Namen des Herrn” und den Aktivitäten ehemaliger Heimkinder stehen.

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Auf dieser Seite finden Sie...

- 1. Bericht vom 24. April 2008

- 2. Bericht vom 24. April 2008

- Auszug aus dem Buch

- Buchtip zum Vincenzheim

-
Bericht von Marlies E

- Forderungen an die Nonnen

 

 

 

 


 

 



Wenn Sie auch im Vincenzheim waren, melden Sie sich bitte hier, um Kontakt zu anderen Ehemaligen zu bekommen...

„Ich habe versucht, mir mit einer Glasscherbe das Leben zu nehmen.“
Bericht über die Veranstaltung am 24. April 2008 im Vincenzheim, Dortmund

Von Elke Meister und Regina Eppert

Einige Gespräche - mit der heutigen Leitung und mit ehemaligen Zöglingen - waren im Vorfeld schon nötig, damit eine solche Veranstaltung überhaupt stattfinden konnte. Herr Hans-Josef Langesberg, Geschäftsführer des heutigen Heimes, war zwar von Anfang an für eine Veranstaltung ebenso Frau Irmgard Neulen, Dipl. Psychologin. Doch er befürchtete negative Auswirkungen auf die heutige Arbeit mit den zu Betreuenden und auf das Ansehen der Einrichtung in der Öffentlichkeit.

Auch einige der Ehemaligen hatten zu Anfang Bedenken, ob sie jemals dieses Haus wieder betreten könnten. Wir haben sie davon überzeugen können, das das heutige Vincenzheim nicht mehr viel mit dem unserer Zeit zu tun hat. Auch konnten wir ihnen von unseren Besuchen berichten, bei denen wir als Gäste behandelt wurden. Der Einladung von Herrn Langesberg und der gesamten Leitung des Hauses, folgten schließlich etwa 25 Ehemalige, dazu einige Freunde und Angehörige.

Als Referenten waren geladen:

Prof. Manfred Kappeler, Erziehungswissenschaftler, Berlin
Matthias Lehmkuhl, Landschaftsverband Westfalen-Lippe
Peter Wensierski, Autor des Buches „Schläge im Namen des Herrn“
Wolfgang Rosenkötter, 1. Vorsitzender vom Verein ehemaliger Heimkinder e.V.
Ordens-Schwester Reinfried, Vincentinerin aus Paderborn
Ordens-Schwester Gabriele, Vincentinerin aus Paderborn

Weiterhin waren anwesend Frau Hildegard Chorhummel, Studiendirektorin i.R. und stellvertretende Vorsitzende der Vincenzheim Ausbildungsstätte e.V.Frau Annegret Krauskopf MdL in NRW als ehemalige Praktikantin des Hauses Herr Theo Breuel, Caritas Paderborn, übernahm die Moderation und begann: „Wir reden hier über unsere eigene Geschichte, die die das getan haben was nicht sein darf.“ Herr Langesberg begrüßte die Anwesenden mit den Worten: „Das Thema wird allen Anwesenden bekannt sein und wir wollen die Gelegenheit nutzen, um über dieses Thema zu sprechen.“

Marlies E. berichtete über ihren Vater, der sie prügelte als sie ihm von ihrem Freund und ihrer Schwangerschaft erzählte, der sie mit der Polizei ins Heim bringen ließ. Sie schilderte die Situation als während der hl. Messe in der Kapelle des Vincenzheimes ihre Wehen begannen und sie sich, wegen der Schmerzen setzte, worauf sich der Zeigefinger von Schwester Vincentine. in ihren Rücken bohrte und sie sich wieder hinknien musste. Wie sie unter fürchterlichen Schmerzen ihr Kind in Steißlage gebar, nach der Geburt nicht richtig betreut wurde und ihr Kind wohl dadurch einen bleibenden Schaden erlitt. Marlies, wie auch andere Ehemalige, erzählten von schlimmen Erlebnissen in diesem Heim die sie ihr Leben lang nicht vergessen können und noch immer darunter leiden.

Wie viele der damaligen Zöglinge wurden auch Marlies, Roswitha, Elke, Gisela und andere bei den kleinsten Vergehen in die „Klabause“, einer Kerkerzelle, eingesperrt. Oft mehre Tage bei Wasser und Brot. Einige berichten von dem Priester der, während er die Beichte abnahm, sexuelle Fragen stellte und sich dabei befriedigte.
Keines der Mädchen hätte damals gewagt, das den Schwestern zu erzählen. Denn niemand hätte ihnen das geglaubt.

Herr Kappeler wies in seinem Bericht auf die Geschichte der Heimerziehung hin und machte deutlich, dass es schon zur damaligen Zeit bekannt war, dass „unhaltbare Zustände“ in den Heimen herrschten. Er las aus einer Arbeitsanweisung der Caritas aus den 60er Jahren vor, aus der klar hervorging, dass Prügel, Schikanen und Entwürdigungen der Heimzöglinge nicht zum Handwerkszeug von Nonnen und Heimerziehern gehören sollte. Kappeler spannte dann den Bogen zur heutigen Heimerziehung und machte deutlich, wie wichtig solche Begegnungen wie hier und heute im Vincenzheim für die Betroffenen mit ihren nicht aufgearbeiteten Traumata seien. Er sprach die anwesenden Verantwortlichen direkt an und forderte sie auf, die noch heute sicher irgendwo abgelegten Akten den Betroffenen zugänglich zu machen. Außerdem sprach er sich dafür aus, dass die Betroffenen eine Möglichkeit haben sollten, Ihre traumatischen Erlebnisse durch die Hilfe von therapeutischen Fachkräften aufzuarbeiten.

Peter Wensierski wies darauf hin, dass es in diesem Haus noch wichtige Akten über ehemalige Heimkinder geben muss. Er fragte Herrn Langesberg „Warum suchen sie nicht endlich danach?“ Anwesende Betroffene meldeten sich spontan, um bei der Suche behilflich zu sein. Wensierski: „Wir können nicht so tun als wäre hier nichts geschehen.“ Viele der Ehemaligen wollen wissen was in ihren Akten steht. Vor vier Jahren bat er schon einmal für die Betroffenen um die Akten. Er machte den Vincentinerinnen den Vorschlag, gemeinsam mit Ehemaligen eine Dokumentation über Ihre zahlreichen Häuser zu erstellen und endlich auch ihre Archive dafür zu öffnen.

Wolfgang Rosenkötter vom Heimkinderverein sprach darüber, dass die ehemaligen Heimkinder über den Verein inzwischen durch die Politik, die Medien und die Unterstützung von Personen wie Prof. Kappeler und Peter Wensierski eine starke Stimme haben. Er wies auch darauf hin, wie viel Mut es für die Betroffenen bedeutet hat, hier ins Vincenzheim zu kommen und sich der eigenen Geschichte zu stellen. Trotz der Belastungen werde dieser Weg des Dialoges von den Heimkindern weiter durchgeführt. „Jahrzehnte haben wir geschwiegen, jetzt werden wir unsere Stimme weiter erheben und auf unsere Forderungen hinweisen", so Rosenkötter. Er bat auch die Anwesenden Entscheidungsträger und die heutigen Heimverantwortlichen des Vincenzheimes darum, den angefangenen Dialog fortzusetzen. Er bedankte sich, im Namen der Betroffenen, bei der Heimleitung für die Einladung.

Regina Eppert stellte für alle die Frage: „Wie viel Selbstmorde sind unter den eingesperrten Mädchen geschehen und sind diese dokumentiert?“ „Auch hat es viele Selbstverletzungen gegeben. Was ist aus diesen Mädchen geworden?“ Unter den Anwesenden meldete sich eine Ehemalige und bestätigte, dass es Selbstmorde und Verstümmelungen gegeben hat. 
Auch Schwester Reinfried bestätigte diese Vorfälle.

Herr Lehmkuhl will nun nachschauen ob beim Landschaftsverband etwas in der Hinsicht dokumentiert wurde. Was ja eigentlich sein müsste, da in solchen Fällen die Polizei eingeschaltet wird. Roswitha erzählte, dass auch sie versucht hat sich, mit einer Glasscherbe, das Leben zu nehmen. Von ihrer Familie erzählte sie, die auseinander gerissen wurde. Sechs Geschwister lebten im gleichen Heim, ohne zu wissen das sie Geschwister sind. Auch von sexuellen Übergriffen blieb sie nicht verschont. Ein Küster der Elisabeth-Kirche in Lippstadt, welcher ihr Vormund war, missbrauchte sie mehrmals. Nach einer Nacht, die Roswitha im Kohlenkeller verbringen musste, sah sie einen Jungen der sich nicht mehr bewegte. Schwester Engelmundis rief aufgeregt nach dem Hausmeister und befahl, so Roswitha: „ Räumt dieses mal weg, hier!“

Über die private Teilnahme von Annegret Krauskopf, Mitglied des Landtages, NRW, haben sich die ehemaligen Heimkinder sehr gefreut. Sie kennt das Vincenzheim aus ihrer Zeit als Praktikantin 1962. Sie hatte diese Zeit niemals in ihrem Leben vergessen und erst vor wenigen Wochen zufällig in einer Radiosendung mit Regina Eppert während einer Autofahrt durchs Ruhrgebiet von dem geplanten Heimkinder-Treffen im Vincenzheim erfahren. Die Begegnung von Marlies Esser und Frau Krauskopf nach mehr als 40 Jahren war für beide ein ganz besonderes Erlebnis. Frau Krauskopf erinnerte sich daran, als sie Marlies weinend auffand, weil die Heimleitung und ihr Vater sie bedrängt hatten, ihr Kind zur Adoption frei zu geben. Die Politikerin versprach den ehemaligen Heimkindern, sie weiterhin bei der Aufarbeitung ihrer Erlebnisse zu unterstützen.

Frau Hildegard Chorhummel wurde gefragt: „Gab es in der Kinderstation ärztliche Versorgung?“ Sie antwortete: „Ärzte waren immer anwesend.“ Eine Betroffene sagte leise: „Ich habe in der Kinderstation nie einen Arzt gesehen.“

Das Schlusswort sprach Frau Chorhummel. Sie war sehr betroffen von den Berichten der ehemaligen Zöglinge und erwähnte, dass diese Heim-„Erziehungsmethoden“ in der Zeit durchaus üblich waren.

In den Pausen wurde sehr rege diskutiert und Frau Neulen sowie auch Herr Langesberg haben sich jedem Gesprächspartner aufmerksam angenommen und soweit es möglich war, Fragen beantwortet.

Einige Fragen blieben aber auch bei diesem Treffen unbeantwortet. So hätten wir z.B. gern Aufklärung über die Medikamente, die uns damals verabreicht wurden. Welche Medikamente waren dies, welche Wirkung hatten sie und wer hat sie verordnet?

Aber wir haben das Versprechen aller Beteiligten, weiter mit uns an der Aufarbeitung unserer Geschichte zu arbeiten.

Alle waren sich auch darüber einig, dass dieses Treffen nicht das letzte gewesen sein soll, sondern der Anfang einer Reihe vieler Gespräche.

Wie auch bei Veranstaltungen in anderen Heimen war wieder zu spüren, wie tief die Wut und Traurigkeit noch immer in den Menschen steckt über das Erlebte in Häusern, die den Namen „Heim“ zur damaligen Zeit nicht verdienten.

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Vincenzheim April 2009
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Fotos aus dem Vincenzheim Dortmund: Mädchengruppe um 1962 mit Elke Meister (2.v.l.), Arbeit an der Heißmangel und Ordensschwestern der “Barmherzigen Schwestern” mit entzogenen Kindern der eingewiesenen Mädchen.
Großes Foto oben: Im großen Bügelsaal des Vincenzheimes (mit Marienaltar auf dem Wäscheregal).

Alptraum der Erinnerung
Bericht über die Veranstaltung am 24. April 2008 im Vincenzheim, Dortmund
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on Brigitta M.

Nach 44 Jahren und vier Monaten, betrat ich im April 2008, wieder das Vincenzheim.
Mit meiner Schwester und unseren Männern, suchten wir zuerst den Garten auf. Dort konnten die Männer die hohe Mauer sehen, die das Grundstück umschließt und erkennen, dass wir wirklich wie in einem Gefängnis gelebt haben.
In der Runde, die die jetzige Leitung des Heimes ermöglicht hatte, sollten Fragen beantwortet werden.
Wir wollten wissen, warum wurden wir behandelt wie Verbrecher, warum gedemütigt, warum gestraft für absolute Nichtigkeiten, wie Sprechen im Schlafsaal oder bei der Arbeit, warum dürften keine Freundschaften entstehen, warum wurden sogar Schwestern getrennt.?
Warum wollte man die totale Kontrolle über uns auch über unsere Gedanken? Wo blieben die Menschenrechte? Jeder Gefangene im "Knast" hatte mehr Freiheiten als wir. Was hatten wir verbrochen? Wir waren junge Mädchen, taten dasselbe wie die anderen, die aus so genannten "intakten Familien" kamen.
Warum aber waren aber wir nun hier eingesperrt? Warum gab man uns das Gefühl nichts wert zu sein und irgendwann mal in der Gosse zu landen?
Es hieß: Das war eben der Erziehungsstil der damaligen Zeit, man hätte es nicht besser gewusst. Diese Aussage konnte aber von dem anwesenden Professor für Erziehungswissenschaft, eindeutig widerlegt werden. Er hatte Beweise, dass den Verantwortlichen klar war, dass in den Heimen Unrecht geschah.
Dass, das Vincenzheim keine unrühmliche Ausnahme war, konnte ich am eigenen Leib erfahren. Ich durfte auch Zögling in der "Marienburg" in Coesfeld sein, eine grauenhafte Zeit. Völlig unsensibel fanden wir die Bemerkung der Schwester Gabriele was das (die Aufarbeitung unserer Trauma) denn jetzt noch bringen sollte, wir säßen doch nun so nett bei Kaffee und Kuchen zusammen.
Die vom Orden geschickte "Vorzeigeschwester" Reinfried versuchte uns zu erklären dass sie alles getan hätte um den Zöglingen das Leben zu erleichtern. Ich kann das nicht beurteilen, weil ich Jahre vorher im Vincenzheim war. Schwester Reinfried nahm unsere Vorwürfe sehr persönlich und wir mussten ihr klar machen, dass nicht ihre Person in der Kritik stand sondern das es um das ganze Dilemma der Heimerziehung ging.
Wir waren die Geschädigten, wir sind die, die Wiedergutmachung wollen. Trotz der Ausreden, es damals nicht besser gewußt zu haben, stelle ich Frage kennen denn die Barmherzigen Schwestern wirklich nicht das Gebot das Jesus als das Wichtigste hervorgehoben hat? Es ist das Gebot der Nächstenliebe, das die meisten von uns nicht erfahren durften. Selbst wenn unter uns jungen Mädchen, große Sünderinnen gewesen wären, hätte doch auch hier gegolten: "Wer von Euch ohne Sünde ist , der werfe den ersten Stein". Da, sich die Träger des Heimes sehr schwer tun mit einer öffentlichen Entschuldigung aus Angst nun auch finanziell in die Verantwortung genommen zu werden, müssen wir alles daran setzen um baldmöglichst zu unserem Recht zu kommen.
Von großen Unverstand zeugt auch die Feststellung, warum denn nur so ein kleiner Teil der ehemaligen Heimkinder sich in unserem Verein befindet, die anderen wären doch wohl zufrieden gewesen mit ihrer Heimerziehung. Was für ein Irrtum! Die meisten Heimkinder sind einfach psychisch nicht in der Lage diese Zeit noch einmal in Gedanken und Gefühlen hochkommen zu lassen, diese Angst, diese Beklemmung noch mal zu spüren. Sie wollen vergessen, haben verdrängt, alles in sich verschlossen. Noch nicht einmal mit Ehepartnern und den eigenen Kindern konnten sie über diese Zeit sprechen.
Heimkinder tragen das Kainsmal!

Im Vincenzheim Dortmund - bei den “Barmherzigen Schwestern

Die Umerziehung zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft begann mit einer Lüge, im Namen des Herrn. Im Fond des Autos, erinnert sich Gisela Nurthen an jenen Tag im Frühjahr 1961, habe eine fremde Frau gesessen und ihr gesagt: „So, jetzt machen wir einen kleinen Ausflug nach Dortmund, da triffst du viele Mädchen in deinem Alter, es wird dir sicher gefallen.“
Gisela Nurthen, damals gerade 15, glaubte ihr und stieg ein. Die Fahrt von Detmold nach Dortmund war kurz, dann hielt der Wagen in der Oesterholzstraße 85 vor einem düsteren Ziegelsteinbau, umgeben von hohen Mauern. Eine Nonne führte das Mädchen in einen Raum, in dem es in wadenlange graue Heimkleidung gesteckt wurde. Der Blick nach draußen war ebenso trist: An den Fenstern fehlten die Griffe, Gitter markierten das Ende aller Sehnsüchte. Aus einer Ecke drang leiser Kirchengesang.
Der Teenager hatte verstoßen gegen Sitte und Anstand, wie sie die junge und prüde Bundesrepublik damals definierte. Trotz des Verbots ihrer allein erziehenden Mutter war Gisela tanzen gegangen, hatte sich am Ende nicht nach Hause getraut, warmit einem Jungen nach Hannover gefahren und am nächsten Morgen beim Versuch, zurückzutrampen, von der Polizei aufgegriffen worden. Nur 24 Stunden später hatte sie der Vormund beim Jugendamt, „weil weitere Verwahrlosung droht“, in das Dortmunder Heim geschickt – geleitet von den„Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vincenz von Paul“. So begannen zwei unbarmherzige Lebensjahre.
Zwei Jahre lang war das junge Mädchen mitten in Dortmund eine Gefangene, ohnmächtig gegenüber einem perfiden Repressionssystem frommer Schwestern, mit Prügel gezwungen zu Gebet, Arbeit und Schweigen.

Giselas Schicksal teilten in den Anfangsjahren des Wirtschaftswunderlandes viele Gleichaltrige...
Mehr nachlesen im ersten Kapitel des Buches “Schläge im Namen des Herrn”.
 

Foto: Gisela Nurthen bei ihrer Einschulung 1953 und 1961, kurz vor der Einweisung ins Dortmunder Vincenzheim

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mit 15 Jahren

 

Buchtip zum Vincenzheim: Regina Page - DER ALBTRAUM MEINER KINDHEIT UND JUGEND - Zwangseinweisung in deutsche Erziehungsheime.

Buch

 


Nachdem Regina Eppert (geborene Page) mehr als 30 Jahre nicht einmal mehr mit ihrer Schwester über ihre Heimzeit bei den Barmherzigen Schwestern im Dortmunder Vincenzheim
gesprochen hatte, brach Regina Page im Spiegel-Buch “Schläge im Namen des Herrn”
erstmals ihr Schweigen und berichtete von dieser Zeit.


Nun hat sie den Mut gefasst, über ihr Leben
in einem eigenen Buch zu schreiben.

Mehr darüber...

 

Berichte ehemaliger Heimkinder des Dortmunder Vincenzheims
Wenn Sie Ihre Erfahrungen veröffentlichen wollen, senden Sie bitte Ihren Bericht hierhin...

Bericht von Marlies E.:

“Wenn ich meine Tochter besuchte, stand sie mit dem Kopf wackelnd im Bett.”

Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass der Vortrag etwas ausführlicher ist und dass der Heimaufenthalt nicht nur für mich sondern auch für meine im Vincenzheim geborene Tochter Auswirkungen auf unser ganzes Leben hatte, was unweigerlich zusammenhängt.

Mein Name ist M. E. Ich wurde 1943 in H. geboren und war das 6. Kind einer streng katholischen Familie.
Meine Mutter starb 1949. Im gleichen Jahr heiratete mein Vater eine Frau, die uns eine gute Mutter war. Aus diese Ehe gingen noch zwei Kinder hervor. Mein Vater war selbstständiger aus Schlachter und später Metzger bei der Bundeswehr. Wie auch zwei Schwestern kam ich mit 14 Jahren in Stellung um die Hauswirtschaft zum erlernen. Ich hatte von Kindheit an eine empfindliche Haut, starken Juckreiz durch Putzmittel. Nach eineinhalb Jahren brach ich die Ausbildung ab und ging wieder nach Hause.
Kurz nach meinem 16. Geburtstag verliebte ich mich in einen 24-jährigen kanadischen Soldaten. Ich war sexuell unerfahren. Ende November 1959 bemerkte ich, dass ich schwanger war. Als mein Vater davon erfuhr, schlug er wie von Sinnen auf mich ein und benachrichtigte das Jugendamt. Noch am gleichen Tag wurde ich in ein Haus für obdachlose Frauen und Mädchen nach dieser Lohn gebracht. Heiraten durfte ich nicht.
Am 1. März 1960 wurde ich von einem Polizeibeamten und einer Fürsorgerin in ein evangelisches Entbindungsheim nach Soest gebracht. Von da aus dann Anfang April 1969 ins Vincenz-Heim in Dortmund. Ich bekam die obligatorische Heim- Kleidung.
Blaukariertes Kleid mit Puffärmeln. Darüber ein Schürze aus gleichem Stoff. Ich kann in die Aufnahme Stationen. Zu Schwester Alexa und Nivella. Da saß ich nun stundenlang in einer Gruppe von etwa 20 Mädchen und häkelte weiße Batisttaschentücher. Die Nonne saß dabei, passte auf und betete ihren Rosenkranz. Die einzige Abwechslung war, fromme Lieder zu singen, ab und zu im Keller des Morgens stundenlang Kartoffeln schälen. Und Sonntag nachmittags Hofgang in Reih und Glied.
Alle paar Wochen kam ein alter Frauenarzt. Er untersuchte uns im Beisein der Schwester.
Als ich im achten Monat war, wurde ich ins Krankenhaus zur Untersuchung gebracht. Es war eine Steißlage. Von da an drängte mich die Schwester immer mehr, zur Beichte zu gehen. Ich hatte mich vorher schon geweigert.
Deshalb kam ich für einen Tag in die Klabause. Es war eine kleine Zelle mit einer Holzpritsche. Für die Notdurft einen Blecheimer.
Eines Samstag morgens bekam ich einen Zettel und Bleistift, und ich wurde im Schlafsaal eingesperrt. Dort sollte ich meine Sünden aufschreiben. Des Nachmittags dann in Reih und Glied in die Appelle zum Beichten.
Als ich an der Reihe war, kniete ich nieder und las vor: „Ich habe Unschamhaftes getan“. Der Priester fragte in welcher Stellung. Da ich nicht wusste was das war fragte ich: „Was ist das?“
Mit den schmutzigsten Ausdrücken erklärte er mir dann, was eine Stellung ist. Einzelheiten möchte ich mir und Ihnen ersparen..
Als ist mir zu viel wurde, lief ich weinend aus dem Beichtstuhl auf dem Flur. Schwester Alexa kam hinter mir her. Sie legten den Arm um meine Schulter und sagte: „Wenn Dir bei der Geburt was passiert, kannst du ohne Sünden vor den Herrn treten“. Ich konnte ihr doch nicht sagen was passiert ist, sie hätte mir nicht geglaubt .
In einem 1976/77 umgeschrieben Lied heißt es: " Pater Fürbaß kommt viermal im Jahr und ist dann für die Beichte da. Der Pfaffe ist ein geiler Bock und schaut den Mädchen unteren Rock.

Am 2. August waren wir des Morgens in der Kapelle. Während der Wandlung war knieen Pflicht. Ich hatte plötzlich einen starken Schmerz im Unterleib und setzte mich hin. Sofort hatte ich Schwester Vincentines spitzen Finger im Rücken und sie sagte: „Hinknieen!“. Etwa 10 Minuten später war der Schmerz wieder war. Ich stand auf und ging aus der Kapelle. Schwester Vincentine kam hinterher und beschimpfte mich. Sie sagte, ich solle auf dem Flur hin und her gehen und ging wieder.
Nach einiger Zeit kam der Schmerz wieder. Mir lief Flüssigkeit die Beine runter und der Fußboden war nass. Ich hielt vor Schmerz meinen Bauch und suchte eine Toilette. Aber alle Türen waren verschlossen. Etwas später kamen alle aus der Kapelle raus. Ein Mädchen musste mir einen Eimer mit Wasser, Aufnehmer und Schubber holen, und ich musste alles sauber machen.
Etwa um 11 Uhr wurde ich ins Krankenhaus gebracht. Die letzten Minuten vor der Geburt war ich bewusstlos. Sie haben das mir das Kind an den Beinen aus den Körpern gerissen. Um 13:05 Uhr wurde meine Tochter geboren.

Ich nannte sie M., nach meiner verstorbenen Mutter. Im Krankenhaus konnte ich stillen. Nach 10 Tagen wurde ich vom Heim wieder abgeholt. Noch am gleichen Tag wurden wir mit zusammengerollten Windeln die Brüste hoch gebunden und ich musste im Bügel-Saal arbeiten.
Des Sonntags durfte ich meine Tochter für eine Stunde sehen.
In dem vorhin zitierten Text heißt es dazu:
“Und hat ´ne Frau ein Kind bekommen,
dann wird es ihr gleich weggenommen,
die Kinder werden isoliert, dreimal zum wickeln vorgeführt.”

Bald wurde ich in eine andere Gruppe verlegt. Ich war in sechs verschiedenen Gruppen. Meine Arbeitseinsätze waren im Bügel-Saal, in der Näh-Stube, im Keller Kartoffeln schälen. Täglich der gleiche Trott. In zweier Reihen zur Kapelle, zur Arbeit, einmal wöchentlich Hofgang. Wo uns hohe Mauern daran hindern sollten, auszureissen. Des Samstags baden 10 min. Hygiene war Mangelware. Intimpflege war nicht möglich. Dementsprechend rochen wir auch. Wenn wir unsere Regel hatten, bekamen wir drei Mal täglich gestrickte Baumwollbinden, wo noch Spuren von den Spuren von der Vorbenutzerin dran waren.
Wenn ich meine Hände und Arme wegen ständigem Juckreiz blutig gekratzt hatte, bekam ich Teersalbe und im Streifen gerissene alte Bettlaken. Wir mussten täglich bis zu 10 Stunden arbeiten. Samstags bis Mittags. Es gab eine Notensystem. Arbeits-, Fleiß-, Höflichkeits- und Sauberkeitsnoten. Für jede Note 5 Pfennig pro Tag. Bei den geringsten Verfehlungen wurde das gestrichen.
Jede Nonne hatte ständig ein Notizbuch bei sich. Da wurde jede Verfehlung notiert. Oft wurden mir die Besuche bei meiner Tochter gestrichen, weil ich Widerworte gegeben hatte oder das Redeverbot missachtete.
Den Teller leer essen war Pflicht. Wir mussten so lange sitzen bleiben bis der Teller leer war. Das Essen war oft mit dicken fetten Schweineschwarten gekocht. Auch wenn die Mädchen schon auf dem Teller ungebrochen hatten, der Teller musste leer gegessen werden
Alle paar Wochen wurde in der unteren Etage einen Stand aufgebaut, an dem wir uns Seife, Shampoo, Süßigkeiten, Niveacreme oder eine Haarbürste kaufen konnten. Durch das strenge Notensystem war es mir oft nicht möglich, Shampoo und Zu kaufen. Dann musste ich und auch die anderen Mädchen uns die mit Kernseife oder Schmierseife waschen.
Mehrmals haben Mädchen versucht, sich das Leben zu nehmen, oder haben versucht auszureißen. Danach haben wir sie nicht wieder gesehen.
Wahrscheinlich haben wir auch Medikamente bekommen. Wenn der Kaffee des Mordens komisch schmeckte und schaumig war, sagten wir: „Jetzt haben wir wieder Hengolin bekommen.“ Nach einigen Monaten hatten viele Mädchen 10 bis 20 kg zugenommen. Zu trinjen gab es nur zu den Mahlzeiten. Auch im Sommer bei der Hitze im Bügel-Saal.
Es waren aber nicht alle Schwestern so schlimm wie Alexa und Vincentiene.
Schwester Manuela die die Theresien-Gruppe leitete, war nicht so streng und tröstete uns, wenn wir traurig waren. Das Redeverbot nahm sie nicht so genau. Dafür wurde sie von Schwester Vincentine im Beisein der Mädchen gerügt.
Wenn ich meine Tochter besuchte, stand sie und auch die anderen Kinder schaukelnd und mit dem Kopf wackelnd im Bett. Sie waren mit Windeln an den Gitterbetten angebunden. Spielsachen waren kaum vorhanden.
Im Herbst 19 und 61 wurde ich nach Allen bei Rühnern verlegt, auf den Strüvernhof. Ein großer Bauernhof der zum Vincenzheim gehörte. Dort musste ich auf dem Feld arbeiten. Kartoffeln auflesen und Runkeln ziehen, im Schweinestall und im Kuhstall arbeiten. Das Heim war Selbstversorger. Denn auch Obst und Gemüse und Salat wurden Saisongemäß geerntet. Zwei civil beschäftigte Frauen brachten die Ware täglich nach Dortmund. Während dieser Zeit habe ich meine Tochter nicht gesehen.
Bei meiner Entlassung war ich 181/2 Jahre alt. Ich habe dann in einer Fabrik gearbeitet in der Elektrogeräte hergestellt wurden. Meinen Lohn musste ich zu Hause abgeben. Damit ich meine Tochter am Wochenende besuchen konnte, putzte ich nach Feierabend die Büroräume. Das Geld bekam ich separat ausgezahlt.
Nach etwa acht Wochen habe ich dann einen Platz im Iserohner Waisenaus gefunden. Als ich meine Tochter abholte war sie ein 11/4 Jahr alt. Sie konnte noch nicht alleine laufen. Sie schwankte beim Gehen hin und her. Die Schwester in der Kleinkinder-Abteilung sagte zu mir: „Geh´ mal mit ihr zum Arzt, da stimmt was nicht.“ Das Waisenaus stellte Sie den Kinderarzt Doktor Tigges vor. Die Praxis benachrichtigte mich telefonisch auf meiner Arbeitsstelle.
Der Arzt erklärte mir an Hand einer Röntgenufnahme, dass meine Tochter eine doppelseitige Hüftgelenksluktuation hätte, die in seltenen Fällen bei der Geburt vorhanden sei, aber durch die Steißlage und die dadurch komplizierte Geburt begünstigt würde. Sie kam sofort nach Dortmund in die orthopädischen Klinik. Dort wurde sie unter Narkose eingerenkt und lag dann Wochen lang im Gipsbett. Die Ärzte im Krankenhaus sagten mir, die Schäden hätten schon viel früher festgestellt werden müssen, weil diese schäden bei Lageanomalien bekannt seien.
Danach nahm das Waisenhaus in Iserlohn sie nicht wieder auf. Sie kam zurück ins Vincenzheim. Dort blieb sie bis zum 1. November 1963. Einen Tag nach meiner Heirat holten wir sie ab.
Es folgten bis zum 12. Lebensjahr drei schwere Operationen. Mit 16 wurden Ihr Schrauben entfernt. Sie ist von Kind an zu 80 Prozent schwerbehindert. Sie war ein sehr schwieriges Kind. Besuchte die Sonderschule. Ich war oft überfordert. Heute weiß ich, dass die ersten Lebensjahre eines Kindes sehr prägend sind. Ich habe immer noch große Schuldgefühle.
Vor 13 Jahren sagte sie mir: „Mutti, Du hast mich nie geliebt.“ Seit dem habe ich keinen Kontakt mehr zu ihr.
Wenn ich mein Leben Revue passieren lasse, hat mich der Heimaufenthalt doch sehr stark geprägt.

Alle Autoritäten sind mir zuwider! Um jede Kirche mache ich einen großen Bogen! Wenn ich einer Nonne oder einen Priester begegne, habe ich sofort negative Erinnerungen an Zwang, Drangal und Demütigung.
Meine Kinder habe ich nicht religiös erzogen, aber ihnen Achtung vor Menschen beigebracht.
Meine beiden Töchter S. und P. haben Fachabitur und arbeiten in sozialen Berufen. Mein Sohn A. hat Mittlere Reife und ist Einzelhandelskaufmann. Nur bei M. ist viel schief gelaufen.
Was ich auf Ihre frühkindlichen Erlebnisse zurückführe.

 

 

“So haben wir es erlebt”

Schon im Jahre 2006, bei ihren ersten Besuch bei den “Barmherzigen Schwestern” in ihrer Paderborner Zentrale , übergab Regina Eppert den Nonnen nachstehenden Text, der in Stichworten ihren Heimaufenthalt Anfang der 60er Jahre beschreibt, mit der Bitte um Erfüllung der genannten Forderungen.

Arbeit in der Firma Vincenzheim (Gewerbebetrieb)
Tägliche Arbeit:
in der Wäscherei, an der Mangel , bügeln am Bügelbrett,
Anfertigung von Wäsche z.B. Nachthemden, Schürzen, Oberhemden, Bettwäsche.
Für den Verkauf ausserhalb des Hauses.
Reinigungsarbeiten in der Gruppe getätigt.
Gearbeitet wurde in der Milchküche,
in der Kinderabteilung, Kleinkinder u.- Babypflege.
In der Küche, Vorbereitigungarbeiten von Speisen, Gemüse u. Kartoffeln schälen und
Putzarbeiten und Pflegearbeiten im ganzen Haus ,
wochenlang wurde in der Aufnahmestation täglich viele Taschentücher umhäkelt
und zum Verkauf angeboten .
Arbeitszeit täglich 8-10 Stunden.
Diese Arbeiten wurden nicht entlohnt , diese Arbeiten waren Versicherungspflichtig.
Nur bei den Auszubildenen wurde die Versicherungspflicht vorgenommen.
Anmeldungen bei der IHK und AOK .
Nach der Ausbildung als Hemdenwäschenäherin oder Hauswirtschafterin wurden die jungen Frauen nicht in ihren erlernten Berufen weiter vermittelt, sondern in anderen Kinder- Heimen , oder ähnlichen Häusern, vom gleichen Orden, weitergereicht.
Dort haben sie bis zu ihrem 21. Geburstag , (damals erst Volljährig) gearbeitet, es gab ein kleines Taschengeld.
Für grössere Anschaffungen musste ein „Antrag“ gestellt werden, der Rest kam auf ein Sparbuch, was sie nie gesehen oder erhalten haben.
Bei kleinsten Vergehen, z.B. am freien Tag , zu spät nach Haus kommen oder
mit 19 Jahren einen Freund zu haben, der vor der Haustür wartete,,
wurden diese Mädchen als „Rückkehrer“ wieder ins Vincenzheim gebracht.
Das sogenannte Putzkleid tragen (jeder konnte sehen „die hat was angestellt)
und für 3 Tage in die Klabause (Gefängnis) bei Wasser und trocken Brot,1x am Tag.
Ein Eimer für die Notdurft.


Zielsetzung heute:
Regelung der Arbeitsbescheinigungen, für einen Nachtrag in der
Rentenversicherung, wie in Freistatt, (Diakonie)


Tägliche Beschimpfungen:
Ihr oder Du seid nichts wert und für die Gesellschaft nicht tragbar!
Du taugst nichts, so wie Deine Mutter, und wenn Du so weiter machst,
landest Du wieder in der Gosse!
Umsonst seid ihr nicht hier, seid froh das wir euch zu richtigen Menschen
erziehen!
Mädchen haben versucht sich vor Verzweiflung an Bett -tüchern vom Fenster
herunter zu lassen, dabei haben sie sich schwer verletzt.
Mädchen haben Selbstmord begangen. Darüber gibt es keine Aussagen.
In Demutshaltung schweigend in zweier Reihen durch die Gänge des Hauses,
auf dem Weg zur Kapelle.
Die Türen verschlossen, hinter dicken Mauern eingesperrt, keine
Spaziergänge, keine Kultur,
diese Mädchen suchten Wärme und Geborgenheit, Verständnis für ihr junges
Leben, sie wollten ihre Träume leben, Musik hören, Petticoats tragen, mal tanzen
gehen, das war ihr Vergehen die Träume wurden zerstört, für ein Leben lang.

Zielsetzungen:
Eine offizielle Entschuldigung, vom Orden, für das ergangene Leid und
Erniedrigungen denen wir täglich zwangsweise ausgesetzt waren, das nicht vergessen werden
kann.
Diese Entschuldigung öffentlich zu machen.(Beispiel: die Diakonie und der
Landschaftsverband Hessen)
Die Betroffenen leiden unter diesen Beschimpfungen ein Leben lang, sie
können das nicht vergessen.
Wir fordern eine Gedenk- Tafel oder Stolpersteine am Vincenzheim, denen zu
gedenken die bei einen Fluchtversuch oder vor Verzweiflung (Selbstmord) den Tod
gefunden haben. Es wurde nicht erkannt.
Ausserdem eine Dauerausstellung im Vincenzheim über diese Zeit, 1945-1975.
Eine Dokumentaion über die Heime der Vincentinerinnen.


Medikamenten-Vergabe:
Die Mädchen nahmen schon nach kurzen Aufenthalt im Vincenzheim an
Körperfülle stark zu,
aufgeschwemmt und unansehnlich dick. Bei einigen setzte die monatliche Regel
für eine lange Zeit aus.
Es wurde von uns vermutet, das man uns etwas ins Essen oder den
morgendlichen Kaffee getan hat.

Zielsetzungen:
Wir möchten wissen, wer hat das angeordnet ?
Wer hat das verordnet ? Was wusste der Orden davon ? Was waren das für
Medikamente ?
Woher kamen diese Medikamente ? , Gesundheitsamt ?welcher Arzt war dafür
zuständig?


Zwangs - Missionierung:
Tägliche Kirchgänge, monatliche Zwangsbeichte,
(der Beichtvater machte zeitweise im Beichtstuhl obszöne anzügliche
Bemerkungen)
zwangsweise „Besinnungstage“, Morgens - Mittags- Abends - vor jeden Essen
Zwangsbeten.
Kein Recht nein zu sagen,“ das war die Hausordnung“!!

Akten über die Betroffenen
Es wurden Akten angelegt, darin wurde alles von den Heimkindern notiert.
Schulische Ausbildung, Familienberichte,
(z.B. Allein erziehende Mutter) Berichte der Jugendämter, Führung im Heim
Querulant oder Simulant, daraus konnten diese Erzieher „ersehen“ was mit diesem
Zögling los war.

Zielsetzungen
Wir fordern , bei Bedarf , vom Orden die Mithilfe, bei der Suche nach
persönlichen Akten der ehemaligen Heimbewohnern. Da eventuell wichtige Briefe ,
die nie ausgehändigt wurden enthalten sind ,
und zur Aufklärung in Familien - Angelegenheiten führen könnten.


Keine Rechte
Mütter sahen ihre neugeborenen Babys nicht, die Neugeborenen wurden von der
Mutter entfernt.
Der Busen der stillenden Mütter wurde hoch gebunden,
bei dieser Prozedur entstehen der stillenden Mutter höllische Schmerzen.
Eine Bindung zu ihrem Kind war nicht möglich ,
wurde unterbunden, damit sie die Arbeit im Haus wieder aufnehmen konnten.
Sonntags eine Stunde zum Kind, bei „schlechten Benehmen“ der Mutter wurde
diese eine Stunde Glück gestrichen.

Das Briefgeheimnis wurde verletzt, Kontrolle bei eingehenden Briefen,
(oft wurden Briefe nicht ausgehändigt) Kontrolle bei ausgehender Post.
Heimliche Briefe wurden geschrieben und heraus geschmuggelt,
bei Entdeckung hohe Strafen.
Persönlichkeitsrechte wurden auch hier schwer verletzt.

Zielsetzungen
Wir fordern, eine Aufarbeitung dieser Zeit z.B. einen Forschungsauftrag zu
vergeben, Diplomarbeiten zu unterstützen.
Ehemaligen Heimkindern den Zutritt ins Vincenzheim zu gewähren, um an die
Orte ihrer Erinnerung zu versuchen sich ihrer Seelenqualen zu entledigen,
damit sie so vielleicht, ihren Frieden finden können.
Das diese Orte mit den Betroffenen gefilmt werden können.
Professionelle Hilfestellung und Beratung für traumatisierte ehemaliger
Heimkinder aus dieser Zeit.
Einen Hinweis dafür auf die Webseite der Vincentinerinnen,
in der auch von dieser Vergangenheit (1945-1975) ein Beitrag mit Fotos
erscheint, mit dem Hinweis, dass von Betroffenen und den Schwestern des Ordens
gemeinsam eine Aufarbeitung angestrebt wird.


Was viele ehemalige Heimkinder stark bewegt ist die Frage,
wie konnte das alles unter dem Mantel der christlichen Nächstenliebe
passieren.
Viele Betroffene wissen bis heute nicht wieso sie in eine dieser
Erziehungsanstalten eingewiesen wurden.
Ein Leben lang Angst und Scham zu haben, entdeckt zu werden,
in der Erziehungsanstalt gewesen zu.
Ein Leben lang das eigene Wertgefühl in der Gesellschaft
nicht zu spüren.
In der Ehe oder Partnerschaft die Sexualität als Schmutz zu empfinden.
Die Beschimpfungen ein Leben lang mit sich herum zu tragen.
Das alles hat hier statt gefunden in den Erziehungsanstalten Vincenzheim
Dortmund und in anderen Häusern des Ordens.
Die Verantwortung lastet heute noch über den Orden vom Hl. Vincenz
 

 

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